LEBENS- und SOZIALBERATUNG
Entscheidungsfindung: Vom Dilemma zum Tetralemma
Wer glaubt, in
einer Entscheidungssituation gäbe es nur zwei Möglichkeiten – ein sogenanntes
Dilemma – hat mindestens 3 weitere übersehen, sagt Matthias Varga von Kibéd,
der „Erfinder“ der Tetralemma-Aufstellung.
Herkunft des Tetralemmas
Die Denkfigur des Tetralemmas beruht auf dem indischen
Madhyamika-Buddhismus, der das indische Rechtssystem mit dem Gedanken
bereicherte, dass in einem Streitfall nicht nur eine Partei Recht haben könnte.
Es könnten auch beide Recht haben oder keiner von beiden. Matthias Varga von
Kibéd und Insa Sparrer haben diese Logik für die systemische Aufstellungsarbeit
nutzbar gemacht.
Anwendungsmöglichkeiten
des Tetralemmas
Das Tetralemma ist ein effizientes Schema zur
Überwindung erstarrter Gegensätze. Diese Technik kann angewendet werden, wenn ein Klient
keine Entscheidung bezüglich eines bestimmten Problems treffen kann.
Normalerweise befindet er sich in diesem Zustand in einem Dilemma. Das Tetralemma
ermöglicht weitere Sichtweisen. Es entstehen Gedankenspiele, die uns den kreativen
Ausstieg aus ausweglos erscheinenden Dilemmata ermöglichen. In
Beratungsgesprächen kann diese Form sehr gut genutzt werden.
In der Tetralemma-Aufstellung wird dieser Prozess nicht nur gedacht,
sondern ganzheitlich – auch körperlich – erfahren. Die Figur des Tetralemmas
kann für tief empfundene Widersprüche genutzt werden. Dabei kommen nicht die
Gegensätze selbst in Bewegung, sondern das System, das diese Widersprüche „hat“.
Das kann eine Person sein, das können aber auch ein Team oder eine Organisation
oder auch mehrere Konfliktparteien sein.
Als soziometrischer Gruppenprozess kann die Figur des Tetralemmas von einer
Gruppe genutzt werden. So können sich Teammitglieder über die unterschiedlichen
Aspekte eines Widerspruchs oder Konflikts austauschen und die Positionen der
KollegInnen dazu wertschätzen und als Bereicherung erleben.
Bleibt abschließend zu bemerken, dass die Arbeit mit
dieser Methode nicht nur viele neue Perspektiven ermöglicht, sondern auch Spaß
macht. Und warum sollte Beratung nicht einfach auch das tun?
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